Archäologie
Dozent: Zbigniew Szulczynski (Nürnberg)
rchäologie (gr. archaios “alt” und -logie von gr.
lógos “Lehre”; wörtlich also Altertumskunde) ist eine verhältnismäßig
junge Wissenschaft.
Als Lehre und Methode interessiert sich Archäologie ausschließlich für den Menschen und umfasst einen
Zeitabschnitt, der von den ersten Steinwerkzeugen vor etwa 2,5 Millionen Jahren bis in die Gegenwart reicht. Erkenntnisse zu
Umwelt, Klima, Ernährung oder Alter von Funden tragen so zur Rekonstruktion vergangenen Alltags und Kultur bei. Als
Quelle dienen dabei vor allem die materiellen Hinterlassenschaften des Menschen.
Diese Altertumskunde ist gleichzeitig ein Sammelbegriff vieler archäologischer Disziplinen, welche meist bestimmte
Epochen oder Regionen bezeichnen. Die einzelnen Disziplinen unterscheiden sich nicht nur im behandelten Forschungsgegenstand,
sondern auch in den verwendeten Methoden, z.B. bei der Unterwasserarchäologie oder der Luftbildarchäologie. Daneben
bilden archäologische Methoden einen Teilaspekt einer eigenständigen Wissenschaft, beispielsweise in der Forensik.
In Fächern wie der Altamerikanistik oder auch der Klassischen Archäologie können die inhaltlichen Schwerpunkte
nicht-archäologischer Natur sein.
Die Methoden der Archäologie sind im wesentlichen die wissenschaftliche Ausgrabung sowie die Auswertung von Funden und
Befunden durch die Einordnung in ein System von Vergleichsstücken, um so Anhaltspunkte für die Datierung und
kulturgeschichtliche Bedeutung des Fundgutes zu finden. Ein großes Problem auch für die Fachwelt besteht in der
schwierigen Rekonstruktion der gesellschaftlichen oder politischen Strukturen in vorgeschichtlicher Zeit. Wir kennen weder
die Namen der Völker, noch ihre Sprachen, Gebräuche, Religionen usw. Daher benutzt man hilfsweise Bezeichnungen,
die spezifische Eigenheiten einer Periode oder Kultur wiedergeben. Zur Grobunterteilung dient die Benennung nach dem in einer
Epoche hauptsächlich zur Werkzeug- und Geräteherstellung verwendeten Material. So spricht man von Stein-, Bronze-
und Eisenzeit.
Jede dieser Stufen ist nun in sich mehrfach untergliedert, so dass schließlich ein Raster entsteht, mit dessen Hilfe
man in der Lage ist, jeden vorgeschichtlichen Fund zumindest auf das Jahrhundert genau zu datieren. Dabei helfen auch
neuartige naturwissenschaftliche Methoden weiter, z. B. die Dendrochronologie, die durch das Auszählen von Jahrringen
an Holzfunden und den Vergleich mit einer Kurve bereits gespeicherter Daten in der Lage ist, jedes gefundene Stück
Holz exakt auf das Jahr genau zu datieren, sofern die Rindenkante erhalten ist.
Fundplätze für chronologisch auswertbares Kulturgut sind neben Siedlungen, Burgen und “Horten”
(Verstecke, Händlerdepots, religiös motivierte Niederlegungen usw.) vor allem die Grabstätten vergangener
Epochen, da in vorchristlicher Zeit in fast allen Kulturen der Brauch herrschte, den Verstorbenen ihr Hab und Gut, oftmals
auch noch Speise und Trank, auf den Weg ins Jenseits mitzugeben. So bestand die Grabausstattung einer Frau oft aus Schmuck,
Trachtzubehör und Haushaltsgegenständen, die des Kriegers aus seinen Waffen und des Handwerkers aus seinen
Werkzeugen. Diese Gegenstände, vor allem Schmuck, Waffen und Keramik – letztere wurde besonders häufig mit ins
Grab gegeben – bieten nun die Ansatzpunkte für die zeitliche und kulturelle Einordnung des Gräberfeldes.
Generell besteht das Hauptanliegen der Archäologie nicht darin, möglichst interessantes oder gar wertvolles
Fundgut zu bergen, sondern in dem Bestreben, über die Lebensumstände und die Kultur vergangener Zeiten soviel
Information wie möglich zu sammeln. Dabei sagen die in den Boden eingetieften Pfostenlöcher eines längst
verfallenen Hauses oft mehr aus als ein Edelmetallfund von vielleicht hohem materiellen Wert. Deshalb achtet man bei
modernen Ausgrabungen auf jede unscheinbare Verfärbung im Boden und auf jede Keramikscherbe.
Termin:
Freitag, 06.11.2009: 15.00-21.00 Uhr
Samstag, 07.11.2009: 12.00-18.00 Uhr
Ort:
ifi - Institut für Integration, Kohlenhofstr. 26, 90443 Nürnberg
Teilnahmegebühr: € 240,-