Journalismus pfeil_links pfeil_rechts_aktiviert

PDF-Datei Diese Seite weiterempfehlen Einführung in den Rundfunk-Journalismus

Dozenten:  Georg Seeßlen  und  Markus Metz  (München)

Das Radio ist hierzulande das “Stiefkind” sowohl in der Medientheorie als auch in der Vermittlung von Kritik und Wissenschaft. Es steht zwischen der traditionellen literarischen Form der öffentlichen Kommunikation, den Print-Medien, und der raschen, vergänglichen und eher prekären Alltäglichkeit des Fernsehens. Neue Medien wie das Internet scheinen direkter und nachhaltiger zu wirken, zumal das Radio mit dem Aufkommen der “Format-Sender” ohnehin mehr und mehr zur “akustischen Tapete” und zum Wachhalte-Begleiter bei Autofahrten geworden ist. Die Missachtung des Mediums droht zu einer selbst erfüllenden Prophezeiung zu werden: während jeder Sprecherwechsel bei Fernsehnachrichten, jedes Relaunch einer Lifestyle-Zeitschrift als kulturpolitisches Symptom gewertet und analysiert wird, gibt es kaum noch eine nennenswerte Radio-Kritik, wird die Entwicklung dieses Mediums kaum noch theoretisch begleitet und werden außerhalb der Sender selbst kaum Angebote dazu unterbreitet, wie man mit der akustischen Kunst der Kommunikation umgehen und ihre einzigartigen Möglichkeiten nutzen kann.

Im Block-Seminar werden drei Schwerpunkte gesetzt:

Erstens sollen die Teilnehmer “Weite und Vielfalt” radiophoner Wort- und Wissensbeiträge kennen lernen, Kriterien für die Beurteilung sowohl inhaltlicher als auch ästhetischer Art entwickeln und die verschiedenen Formate und Genres von Wortbeiträgen, Features und Radiokunst diskutieren. Ausgehend von theoretischen Vorüberlegungen und gemeinschaftlichen Hörerfahrungen wird Radio-Kritik geübt, als eigenständiges journalistisch-kritisches Element ebenso wie als Vorstufe zur eigenen Arbeit in diesem Medium.

Zweitens sollen die Teilnehmer Stoffentwicklung, Dramaturgie und Eigenheit der radiophonen Vermittlung kennen lernen, alle Arbeitsschritte erproben, vom Konzept bis zur Einbindung in Programmschemata, von der Recherche bis zum Interview, vom Texten für das Hörerlebnis bis zum Umgang mit Originaltönen, von der Funktion der Musik bis zum Sprecher-Klang, vom Umgang mit Archiv-Material, Problemen des Urheberrechts und Zitatmöglichkeiten bis zur Komposition der einzelnen Elemente.

Drittens werden die Teilnehmer in Kleingruppen eigene Radio-Beiträge von der Themenfindung bis zum fertigen Tonschnitt herstellen. Es geht dabei um die technische Realisierung der eigenen Konzeptideen. Diese praktische Erfahrung soll dazu dienen, die kreativen Möglichkeiten des Mediums zu entdecken und Studierenden die Möglichkeiten eröffnen, unterschiedliche Wissens- und Interessensgebiete auf ihre Radio-Tauglichkeit zu prüfen, sowohl als Nutzer, als Partner wie auch als potentieller Gestalter des Mediums.

Der thematische Schwerpunkt bei alledem liegt in den Bereichen Kultur & Kritik, Wissenschaft und Alltagskultur, generell aber gilt, dass von den Teilnehmern weder spezielle Vorkenntnisse erwartet werden noch thematische und fachliche Einschränkungen gelten. Ziel der Arbeit ist es, zu lernen, wie man Ideen und Wissen radiophon vermittelt, welche Fehler man dabei vermeiden kann, und welche Mittel man dabei anwenden kann, um die diskursiven, die technischen und die ästhetischen Aspekte einer Radiosendung miteinander verbindet.

Block 1 (27./28.11.2009)

Radio und Kritik:
Radiophone Formen. Formate und Genres. Inhaltliche und ästhetische Kriterien. Radiokritik.

Themen finden:
Relevanz. Aktualität. Formales Interesse. Konkurrenz/Überschneidung. Machbarkeit. Sendeplatz / Aufwand.

Angebot:
Themenbeschreibung. Bedeutung/Aktualität/Anlass. Elemente. Hinweise zur Gestaltung.

Recherche:
Materialsammlung. Bestimmung der Elemente. Interview-Recherche und -Vorbereitung. Bestimmung anderer O-Töne. Archiv-Recherche.

Block 2 (11./12.12.2009)

Technik:
Aufnahmegerät. Mikrophon. Interview. Schnittsoftware.

Vorbereitung der Elemente:
Interview-Führen. Protokollieren/Zeit bestimmen. Auswahl der Zitate. Auswahl der O-Töne. Funktionen der Musik.

Schreiben:
Schreiben für das Ohr. Rollenverteilung. Stil. Dramaturgie. Zeitbestimmung. Kürzen. Hörprobe (Sprechen/Schreiben). Korrektur.

Block 3 (15./16.01.2010)

Fertigstellen des Manuskripts:
Form. Text: Interview-Protokoll, Zitate, Sprecher, Regieanweisungen, Musik-Angaben. Erste “Redaktionssitzung”.

Zwischenüberlegung:
Zweitverwertung. Wiederholung. Print-Version. Co-Produktion? Terminplanung.

Produktion der Elemente:
Schneiden der Interviews. Schneiden der O-Töne (Filmzitate, Atmos, Reportage etc.). Kürzen. Musik.

Rechtliche Situation:
Gema. Copyright. Zitatrecht.

Block 4 (05./06.02.2010)

Produktion:
Sprecher-Aufnahmen (Vorbereitung, Sprecher-Regie, Autor als Sprecher). Möglichst wenig Leerstellen und offene Fragen. Formen der Montage. Stereo-Effekte. Rhythmus/Pause. Lautstärken. Sound-Effekte. Letzte Korrekturen.

Nebenarbeiten:
Erstellen eines Pressetextes. Event. Vorschau. Verschiedene Versionen. Angaben der Zitate / Musik. Meldung für Verwertungsgesellschaft.

Redaktion:
Zusammenarbeit/Konflikte. Veränderung. Strategien. Zweite “Redaktionssitzung”. Abhören. Abschlussrunde/Erfahrungen.

Maximale Teilnehmerzahl: 12

Termine:

Block 1: Freitag, 27.11.2009 10.00 Uhr - open end
Samstag, 28.11.2009 10.00 Uhr - open end
Block 2: Freitag, 11.12.2009 10.00 Uhr - open end
Samstag, 12.12.2009 10.00 Uhr - open end
Block 3: Freitag, 15.01.2010 10.00 Uhr - open end
Samstag, 16.01.2010 10.00 Uhr - open end
Block 4: Freitag, 05.02.2010 10.00 Uhr - open end
Samstag, 06.02.2010 10.00 Uhr - open end

Ort:
ifi - Institut für Integration, Kohlenhofstr. 26, 90443 Nürnberg

Teilnahmegebühr: € 320,- (pro Block)