Philosophie
Einführung in die Philosophie. Wahrheitsbegriff und Individuum von Platon bis Adorno
Dozent: Dr. Gerhard Scheit (Wien)
as Thema ist nicht nur geeignet, einen philosophiegeschichtlichen Überblick
zu vermitteln (mit den Schwerpunkten:
griechische Philosophie, englische und französische Aufklärung, deutscher Idealismus, Positivismus, Strukturalismus,
Kritische Theorie), es ermöglicht wie kein anderes, die historischen Voraussetzungen des Denkens zu erörtern. Das
heißt nun nicht, daß die Philosophie die Gesellschaft “widerspiegle”, vielmehr daß sie deren
Widersprüche aufwirft und schärft. Wahr ist hier nicht die richtige “Widerspiegelung” der Wirklichkeit,
sondern zunächst einmal die Kritik, die ihr nachweisen kann, worüber sie schweigen muß, um als wahr zu gelten.
Derart wird die Philosophie immer wieder über sich selbst hinausgetrieben: “Die Philosophen haben die Welt nur
verschieden interpretiert; es kömmt aber darauf an, sie zu verändern.” (Karl Marx)
Der Nachweis hat jedoch nur zu geringen Teilen soziologische Befunde – etwa über die Lage des Individuums in der antiken
Polis, im Feudalismus und in der bürgerlichen Gesellschaft – zu erbringen (darin liegt der folgenschwere Irrtum des
Marxismus, der aus solchen Befunden die gesetzmäßige Entwicklung hin zum Sozialismus ableitet), er wäre vor
allem mit den Begriffen der Philosophie zu führen. Nur so ist es möglich, vom Verhältnis zwischen Gesellschaft
und Individuum zu sprechen, ohne daß alles auf den Wahrheitsbegriff der Statistik hinausläuft. “Das Ganze ist
das Wahre”, sagt Hegel und sieht darin noch die verzweifeltste Lage des Individuums gerechtfertigt. “Das Ganze ist
das Unwahre”, heißt es bei Adorno, der als Frage aller Philosophie formuliert, “wie ein Ganzes sein kann,
ohne daß dem Einzelnen Gewalt angetan wird” – im Bewußtsein, daß der bessere Zustand einer wäre,
“in dem man ohne Angst verschieden sein kann”. So führt die Geschichte der Philosophie ins Innerste des
Subjekts wie der gesellschaftlichen Verhältnisse, wo die Angst vor der eigenen Überflüssigkeit alles belauert.
Auch die Kritische Theorie soll keineswegs Endstation dieser Einführung sein und als Eintrittskarte zur Wahrheit
aufgefaßt werden. Gerade die Kritik an ihr, die deren eigene Widersprüche herausarbeitet, wird dazu beitragen, die
Fragen, die sich aus der Geschichte der Philosophie und der Situation der Gegenwart ergeben, so transparent wie möglich
zu bestimmen. Zu diesem Zweck werden zentrale Textpassagen zu den Schwerpunkten gemeinsam gelesen und diskutiert.
Neue Termine:
Freitag, 22.01.2010: 15.00-21.00 Uhr
Samstag, 23.01.2010: 12.00-18.00 Uhr
Ort:
Grundig Akademie / Top Business AG, Klingenhofstr. 58, 90411 Nürnberg (Rückgebäude der ehemaligen
“Resi”; Parkplätze im Hof).
Anreise mit der U-Bahn ab Hauptbahnhof Nürnberg: U2 Richtung Flughafen bzw. U21 Richtung Ziegelstein, Haltestelle
Herrnhütte (von dort 5 Minuten Fußweg).
Teilnahmegebühr: € 240,-